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Auch ohne Grund und ohne Not – wir schießen den Flamingo tot!

Wie soeben in einem Artikel in „20 Minuten Online“ zu erlesen ist, wurde am Montag, dem 12.01. kurz nach 10 Uhr auf dem Flachsee im schweizer Kanton Aargau ein Chile-Flamingo (Phoenicopterus chilensis) geschossen.

(Siehe: http://www.20min.ch/news/zuerich/story/25863964 )

Die Umstände erscheinen immerhin eines kurzen Kommentars wert. Begründet wird der Abschuss seitens der Aargauer Fischerei- und Jagdverwaltung mit der „Unmöglichkeit des Einfangens“, dies obendrein in Ergänzung einer Begründung, deren Essenz die „Erlösung des geschwächten Tieres“ ist.

Ein Schelm, wer da einen Widerspruch auszumachen vermeint. Vorgeworfen wird dem Zoo Zürich – dort war der Flamingo ausgebüchst – dabei weiters, dass dieser das Fehlen dieses Tieres nicht rechtzeitig gemeldet habe, so dass man über Herkunft (und mögliche Besitzansprüche an dem Tier) gar nichts hätte wissen können.

Das ist schon merkwürdig, denn: der Flamingo trug, wie gleich im ersten Satz des Artikels zu erlesen ist, die Ringnummer 60481, war also markiert. Den Ursprung – und somit den Besitzer - des Tieres ausfindig zu machen, wäre als ein Leichtes gewesen. Und zwar ganz unabhängig davon, ob dieser Besitzer den Verlust bereits bemerkt hätte oder nicht. Man hätte das, Zitat: „geschwächte Tier“, eben nur einzufangen brauchen.

Auch geht die im Artikel angedeutete Debatte, ob der Flamingo fürs Fangen nun hinreichend geschwächt war oder nicht am Kern der Sache vorbei. Wer einräumt, dass ein gefiederter Gefangenschaftsflüchtling geschwächt sei, der kann das Tier beobachten und ggfs. dann einfangen, sobald es möglich ist. Sicherlich: einem zunehmend entkräfteten Tier geht es temporär während dieser Zeit gewiss nicht gut – aber immerhin besser als einem erschossenen Tier.

Also: Hätte man auch nur im Entferntesten in Erwägung ziehen wollen, sich diesem „Problem“ (welches im Fall eines einzelnen, aus Gefangenschaft entwichenen Flamingos faktisch gar keines sein kann..) pragmatisch zu nähern, so hätte an erster Stelle die folgenden Überlegungen stehen müssen:

  1. Wo kann der Chile-Flamingo hergekommen sein? Aus Chile ja wohl kaum, ansonsten hätte er als freiwilliger Einwanderer auch als heimische Art zu gelten. Das Tier muss (!) also zwingend aus einer Haltung entwichen sein, und somit auch einen Besitzer haben.
  2. Wenn das Tier einen Besitzer hat, ist davon auszugehen, dass das Tier eindeutig gekennzeichnet ist und sich einem Besitzer zuordnen lässt.
  3. Weil (auch) die Schweizer nun mal einen großen Respekt vor dem Privateigentum an den Tag legen, und ein Chile-Flamingo nicht für ein paar Franken im nächsten Supermarkt zu ersetzen ist, wäre selbst einem BWL-Studenten die Tötung des Tieres als letztes in den Sinn gekommen.


Einzig vernünftige Option wäre somit gewesen, das Tier unter Beobachtung zu stellen (personelle Ressourcen hierfür zu mobilisieren, sollte in Kreisen selbst in der Schweiz gegenwärtiger Vogelschützer nicht allzu schwer fallen..), den Flamingo einzufangen und anschließend seinem Besitzer zu übergeben.


Wobei man in der Tat auch den jeweiligen Besitzer in der Verantwortung sehen sollte, den betriebenen Aufwand zu „Bergung“ seines Tieres zu entschädigen. Selbstverständlich und grundsätzlich obliegt diesem, ein Entweichen regional faunenfremder Tiere zu verhindern. Dies ist durch geeignete Maßnahmen wie z.B. der Errichtung von „Freifluggehegen“ durchaus praktikabel und ermöglicht obendrein den Verzicht aufs Kupieren der Schwungfedern – was wiederum unmittelbar den Tieren in punkto „Bewegungsmöglichkeiten“ zugute käme.

Aber die Inbetrachtziehung nicht letaler Lösungen stand auf Seiten der Jäger zu keiner Zeit zur Disposition. Entlarvend dazu auch die im Artikel getätigten Aussagen von Urs René Altherr: „Die Jagdverwaltung hat gemäß Bundesrecht den Auftrag, den Schutz von einheimischen Tieren gegenüber fremden Arten zu sichern.

Ein einzelner Chile-Flamingo als „Bedrohung einheimischer Tiere“. Da büßt dann auch der Schweizer Flintenträger seinen Liberalismus zur Gänze ein, und mutiert zum braunen Nationalisten.

Da hat dann ein ausgebüchster Chile-Flamingo schneller sein Lebensrecht verwirkt, als er fern der Heimat an Entkräftung zu sterben vermag.

In diesem Sinne: Waidmanns Heil – und gut Schuss (auch auf rosa Ziele)!

Werner Hupperich