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Jagd im Centro Oberhausen

Vom Vorzeigeprojekt einer "Neuen Mitte" zur wohl teuersten Schießbude der Welt

Jetzt neu im DienstleistungsSortiment der Jagdverbände: Gänsejagd in Einkaufszentren

Im Juli diesen Jahres wurde im Rahmen mindestens einer nächtlichen Jagdveranstaltung ein Teil der Wasservogelpopulation auf dem Gelände des „Centro“ geschossen. Gerichtet war diese Aktion vornehmlich gegen Kanadagänse (Branta canadensis), durch deren lokale Präsenz den Betreibern des Centro ein erheblicher Schaden entstanden sein soll. Unklar ist derzeit noch, ob diese Aktion unter Bezug auf 2010 in Kraft gesetzte Jagdzeiten-VO NRW, nach welcher u.a. Grau- und Kanadagänse bereits ab dem 16. Juli bejagdt werden dürfen, durchgeführt wurde. Die örtlichen Gegebenheiten legen jedoch den Schluss nahe, dass es zur Durchführung dieser "Jagd" - es wurden ausschließlich zahme Parkvögel getötet - zwingend einer behördlichen Ausnahmegenehmigung bedurfte. Bei dem im Westen und Norden durch eine Bahnlinie, nach Osten durch eine Bundesstraße und nach Süden durch dichte Bebauung abgegrenzten, etwa 350x450m messenden Areal handelt es sich in so weit um einen befriedeten Bereich, als dass sich im Kern des Gebietes ein künstlich angelegter Vergnügungspark mit Fahrgeschäft ("SeaLife") befindet, welcher lückenlos umzäunt ist.

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Interessant hierbei ist, dass in Anwendung der ballistischen Formel zur Berechnung der Reichweite von Schrot (Durchmesser in mm x 100 = Reichweite in m) bei 4,5mm Schrot selbst bei einer Schussabgabe im Zentrum des Areals nicht ausgeschlossen werden kann, dass Bleischrote über das "Jagdgebiet" hinaus verteilt werden. In anbetracht dessen, dass es sich beim "SeaLife" um einen Vergnügungspark mit Fahrgeschäft handelt, durch Bleischrote sicherheitsrelevante mechanische und elektronische Komponenten beschädigt werden könnten, wird klar, dass hier potenzielle Risiken für die Besucher seitens der Initiatoren dieser "Schießveranstaltung" entweder nicht bedacht, oder aber billigend in Kauf genommen wurden. Von der vorsätzlichen Verteilung des toxischen Schwermetalls Blei in einem zu erheblichen Teil mit Außengastronomie belegten Geländes einmal ganz zu schweigen.

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Bezüglich der Jagdrechtlichen Aspekte finden Sie hier eine Zusammenfassung der relevanten Gesetzestexte.


Völlig unabhängig von der seitens der Jägerschaft so wie der Stadtverwaltung vorgeschobenen Legitimation ergibt sich aus den entsprechenden Urteilen des Europäischen Gerichtshofes (EuGH), dass hier aktiv einer Vertragsverletzung im Kontext der der auch von der Bundesrepublik Deutschland ratifizierten EG-Vogelschutzrichtlinie (79/409) Vorschub geleistet wurde. Eine (unvollständige) Zusammenstellung der seitens des EuGH gegen Finnland, Frankreich so wie der Republik Österreich ergangenen Urteile finden Sie hier.


Die Ausweitung der Jagdzeiten auf Gänse bis in die Nist-, Brut- und Aufzuchtzeiten hinein, sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Niedersachsen, wurden bereits lange vor ihrer Inkraftsetzung seitens der Gänsewacht kritisiert. In der EG-Vogelschutzrichtlinie (Art. 7 Abs. 4) - seit 1986 in der Bundesrepublik Deutschland in nationales Recht umgesetzt - festgelegt, dass Tiere nicht nur während der Nistzeit oder während der einzelnen Phasen der Brut- und Aufzuchtzeit nicht bejagt werden dürfen, sondern auch keine Alttiere, von deren Versorgung Jungvögel abhängig sind, um unnötige Leiden und Schmerzen durch Verhungern oder Erfrieren zu vermeiden. Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 79/409 Fassung lässt zwar die Möglichkeit zu, unter Beachtung der darin genannten Bedingungen die Jagd auf die in Anhang II aufgeführten Arten während der in Artikel 7 Absatz 4 der Richtlinie angegebenen Zeiten besonderen Schutzes ausnahmsweise zu erlauben, allerdings unter der Voraussetzung, dass es keine andere zufrieden stellende Lösung gibt. Die Bestimmungen der Vogelschutzrichtlinie erlauben Abweichungen und Ausnahmen von den regulären jagdgesetzlichen Bestimmungen ausschließlich zur Abwendung erheblicher Schäden an Kulturen, Viehbeständen, Wäldern, Fischereigebieten und Gewässern.

Insbesondere in der Rechtssache C-247/85 hat der Europäische Gerichtshof darauf verwiesen, "dass das Ziel dieser Bestimmungen der Richtlinie nicht die Abwendung der Bedrohung geringer Schäden ist."


Leider handelt es sich bei solchen Aktionen, in welchen versucht wird, (Flächen-) Nutzungskonflikte zwischen wildlebenden Gänsen und Freizeitinteressen des Menschen durch hobbymäßige Totschießer auf preiswerte Art lösen zu lassen, um ein alljährlich nahezu flächendeckend in sämtlichen Stadtgebieten Nordrhein-Westfalens zu beobachtendes Phänomen. Sofern es um durch Gänse verkotete Liegewiesen in Parks und Freibädern geht, treten hierbei etwa Dortmund, Oberhausen, Essen, Mülheim, Duisburg und Düsseldorf regelmäßig in Erscheinung. Den Weg in die Medien finden solche "ganz normalen" Massaker jedoch gewöhnlich nur, wenn bei solchen Schießveranstaltungen etwas schief läuft. Etwa wenn vom Jäger zahme, eigens als Besucherattraktion angeschaffte Hausgänse exekutiert werden (Westfalenpark Dortmund 2010). Oder wenn Spaziergänger versehentlich auf solche waidmännischen "Schlachtfelder" geraten und ihnen der Schrot um die Ohren fliegt (Duisburg 2013, Mülheim 2009, Essen 2008).


Dass jedoch nunmehr auch - und offenbar insbesondere - auf den Flächen des "Centro" geschossen wurde (und wird), stellt eine völlig neue Dimension solch gemeingefährlichen Unsinns dar. Grundsätzlich ist anzumerken, dass es sich bei dieser Form kruder Freizeitaktivitäten keinesfalls um "ökologische Notwendigkeiten" handelt. Gänsekot besteht natürlicherweise aus zu achtzig Prozent unverdautem Gras, ist weder sauer noch basisch und ist nach aller diesbezüglichen wissenschaftlichen Erkenntnis frei von für möglicherweise für Menschen gefährlichen Krankheitserregern. Es wurde in Europa bislang nicht ein einziger Fall einer Krankheitsübertragung von wildlebenden Gänsen auf Menschen durch Kontakt mit Gänsekot dokumentiert. Weder viraler noch bakterieller Art. Die Tiere deswegen zu töten, weil sie Gras auf Wegen verteilen, was einzig die Reinigungskosten (im Kontext ohnehin zu beseitigenden menschlichen Mülls) allenfalls moderat zu erhöhen vermag, dürfte sich der Mehrheit der Bevölkerung nur schwerlich plausibel vermitteln lassen.


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Überhaupt ist (auch) hier auffällig, dass diese Aktion ganz offensichtlich Resultat höchst intransparenter Kungeleien zwischen dem Centro-Management und der Kreisjägerschaft war. Allein hieraus lässt sich erklären, warum man sich auf Seiten des Centro-Managements angesichts der öffentlichen Empörung breiter Teile der Oberhausener Bevölkerung dermaßen überrascht zeigt, dass ein offener Konflikt mit dem "Wahlverbündeten", der Kreisjägerschaft droht. Zum Anlass gereichte hierbei eine Distanzierung des Centro-Managements (WAZ vom 06.09.2013) von der Aussage der Vorsitzenden der Oberhausener Kreisjägerschaft, Frau Matten, es habe die Jägerschaft lediglich nach Aufforderung durch das Centro-Management die Gänsejagd auf dem Gelände des Einkaufszentrums ausgeübt (WAZ vom 30.08.2013).
Die letztlich als Begründung der Jagd auf dem Gelände des Einkaufszentrums angeführten Begründungen seitens des "Centro" so wie der Kreisjägerschaft divergieren zum Teil erheblich. Sowohl seitens des Centro-Managements als auch der Kreisjägerschaft war zunächst pauschal von "erheblichen Schäden" die Rede (WAZ vom 30.08.2013). Erwartungsgemäß konnten diese Schäden weder konkret benannt noch beziffert werden. Später wurde seitens des Centro-Managements lapidar auf "Beschwerden der Besucher über den vielen Gänsekot" verwiesen.


Demgegenüber betrieb die Kreisjägerschaft weiterhin Pflege typischer, unwissenschaftlicher Klischees. Verwiesen wurde seitens Frau Matten in einem Interview mit der Presse auf die Gefährlichkeit von Bissverletzungen [!] durch Kanadagänse [!] für Kleinkinder, so wie - ohne konkrete, wissenschaftliche fundierte populationsdynamische Daten benennen zu können, auf eine "Überpopulation" von Kanadagänsen. Bei "Überpopulationen" handelt es sich um eine rein ideologische Kategorie, keinesfalls um eine biologische. Dort, wo sich aus dem Auftreten von Wasservögeln Konflikte zu (Flächen-) Nutzungsinteressen von Menschen ergeben, lassen sich diese durch nicht-letale Methoden lösen. Zahme (oder zumindest halbzahme) Parkvögel zu erschießen, ist nicht nur unnötig sondern hochgradig kontraproduktiv, da sich der Großteil der Tiere unmittelbar an anderer Stelle niederlässt (Problemverlagerung, schlimmstenfalls - bei Gänsen - auf landwirtschaftlich genutzte Flächen).


Eine von mir kommentierte Fassung der seitens der kreisjägerschaftsvorsitzenden Frau Matten gegenüber der WAZ getätigten Äußerungen finden Sie hier.


Sowohl die Betreiber des Centro als auch an die Stadtverwaltung wäre in diesem Zusammenhang die Frage zu richten, warum denn die Jagd im Centro eigentlich nicht öffentlich und transparent unter den Augen der Bürger stattfindet? Wenn die Jagdlobby schon unermüdlich behauptet, es sei ein gutes Werk, dass verrichtet würde, warum sträubt die Jägerschaft sich dann so vehement gegen Publikum?

Bettelnde_Gaense.jpg Bettelnde_Gaense_02.jpg Blessralle.jpg Blessralle_und_Muell_01.jpg Blessralle_und_Muell_02.jpg Dohle_Centro.jpg Einfliegende_Kanadagans.jpg Einflug_Kanadagaense_ueber_Hafen.jpg Entenkueken_und_Karpfen.jpg Graugans_und_Gelbwangenschildkroete.jpg Groessenvergleich_Gans_Karpfen.jpg Kuenstliches_Gewaesser.jpg Normaler_Muell.jpg Zahme_Gaense_01.jpg Zahme_Gaense_02.jpg


Wenn die Betreiber des Centro sich eines "Gänseproblems" konfrontiert sehen, warum werden die Oberhausener Bürger darüber nicht in Kenntnis gesetzt, geschweige denn in die Diskussion um mögliche Lösungsstrategien mit einbezogen?

Für den Fall, dass es sich bis in die Oberhausener Stadtverwaltung noch nicht herumgesprochen haben sollte: Unter "Natur" wird gemeinhin ein genuin öffentliches Gut verstanden, dessen Bewahrung (und Beschädigung!) mittel- und unmittelbar das Wohl der Allgemeinheit tangiert. Die Beteiligung eines jeden Menschen am umweltpolitischen Diskurs definiert die UN World Charter for Nature (A/RES/37/7) nicht als "bloßes" Menschenrecht, sondern vielmehr als verantwortungsvolle Verpflichtung:

[..
23.  All persons, in accordance with their national legislation, shall have the opportunity to participate, individually or with others, in the formulation of decisions of direct concern to their environment, and shall have access to means of redress when their environment has suffered damage or degradation.

24.  Each person has a duty to act in accordance with the provisions of the present Charter; acting individually, in association with others or through participation in the political process, each person shall strive to ensure that the objectives and requirements of the present Charter are met.

..]

Wie aber sollen die Menschen ihrer Verantwortung genüge tun, wenn man sie systematisch von der Teilhabe an umweltpolitischen Entscheidungsprozessen ausschließt?

Im hier behandelten, konkreten Fall des Centro sehe ich die Betreiber des Einkaufszentrums in der Pflicht, vorgebliche "Probleme" mit der Wasservogelpopulation auf ihrem Gelände zunächst einmal auf Basis eines wissenschaftlich fundierten Gutachtens zu benennen, nichtletale Lösungsmöglichkeiten ausarbeiten zu lassen - sofern Probleme mit wildlebende Gänse tatsächlich glaubhaft gemacht werden können - und entsprechende Maßnahmen zu finanzieren und zu realisieren.

Exakt dies schreibt die EG-Vogelschutzrichtlinie in Art. 9 zwingend vor.


Es ist ein Unding, dass aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus in einem Einkaufszentrum Flächen zwar möglichst naturnah gestaltet werden, aber sofort nach der Flinte gegriffen wird, wenn sich "Natur" auf diesen Flächen tatsächlich einstellt.

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Deutlicher - diese Worte sind an die Betreiber des "Centro" gerichtet - als die Verantwortung für auf den eigenen Parkflächen auftretende Probleme mit dem (halb)zahmen Tierbestand auf freizeitmäßige Totschießer zu delegieren, kann ethische Verwahrlosung kaum mehr zutage treten.


Hierbei ist mir durchaus bewusst, es auf Seiten des Centro-Managements womöglich nur "gut" - mit den Beschwerdeführern gegen den Gänsekot - gemeint zu haben. Seriöser Weise hätte dennoch in jedem Fall zunächst geprüft werden müssen, ob diese Beschwerden sich überhaupt als Repräsentativ für die Meinungen und Ansichten Mehrheit der Centro-Besucher in dieser Frage darstellen lassen.


Hier - exemplarisch - ein leider als typisch zu bezeichnender Beschwerdeführer gegen die "..loker 100 da rumschwirrende Gänse" nebst der "ganzen Gänse kacke":


Selbstverständlich geht es hier nicht um die Formulierung einer Kritik an der offenbar zunehmend desaströsen Schreibkompetenz vieler Zeitgenossen. Es geht vielmehr um den Beleg (datiert ist dieser Eintrag auf den 16. Juli), dass das Centro, obwohl zu diesem Zeitpunkt längst die Entscheidung gefallen sein muss, die Gänse von Jägern töten zu lassen, ebendieses Vorhaben verschwiegen wird.


An das Centro-Management sei daher die Frage gerichtet, welche Außenwirkung im Sinne der Public Relations sie denn nun eigentlich beabsichtigen: Die eines Einkaufszentrums mit naturnahen Erholungs- und Rastbereichen, zu welchem das Publikum gerne geht, oder eine solchen im Sinne von "Europas teuerster Schießbude mit  Einkaufsgelegenheiten". Das Management des "Centro" wäre gut beraten, sich in dieser Frage klar zu positionieren.

Zusammenfassende Bewertung:

 

  • Die Jagd fand in einem jagdlich befriedeten Bezirk statt. Der Bereich des "SeaLife Adventure Park", in welchem nach Angabe des Centro gejagt wurde, ist umzäunt und befriedet (siehe jagdrechtliche Aspekte hier) Sofern zutrifft, dass die Aktion bereits Anfang [!] Juli (WAZ vom 08.08.2013) stattfand, somit außerhalb der gesetzlichen Jagdzeiten und zur Brut- und Aufzuchtzeit. Zu fragen wäre hierbei erstens, wer eine entsprechende Ausnahmegenehmigung - mit welcher konkreten Begründung - beantragte, und, zweitens, warum diese seitens der Stadtverwaltung - offenbar überaus leichtfertig - erteilt wurde.

 

  • Bei der Wasservogelpopulation im Centro handelt es sich vornehmlich um ausgesprochen zahme Kanadagänse, Stockenten und Blessrallen. Die Exekution zahmer Parkvögel dürfte schwerlich mit dem in Einklang zu bringen sein, was das Jagdgesetz unter "Waidgerechtigkeit" versteht. Im Kontext von Habitat und Lebenssituation der Tiere betrachtet, handelt es sich faktisch eher um "Haus-" als denn um "Wildtiere". Diese Lebensumstände haben die Betreiber des Centro maßgeblich (landschaftsarchitektonisch) gestaltet - und tragen daher meiner Auffassung nach auch die Verantwortung für einen ethisch angemessenen Umgang mit diesem Tierbestand. Diesen Tierbestand unter Ausschluss der Öffentlichkeit - bei Nacht und Nebel - von Hobbyjägern zusammenschießen zu lassen, deutet demgemäß auf das exakte Gegenteil von Verantwortungsbewusstsein hin.

 

  • Es ist nach Besichtigung der Parkanlagen vor Ort nicht davon auszugehen, dass selbst eine größere Population Wasservögel dort wirtschaftliche Schäden in signifikanter Höhe verursacht haben könnte. Die Wiesen im Uferbereich sind stark abschüssig, ein Badebetrieb findet in den Gewässern nicht statt. Gesundheitliche Gefährdungen von Besuchern durch Gänse- oder Entenkot können nach Tenor renommierter Epidemiologen und Infektionsbiologen ausgeschlossen werden. Es gibt also keinerlei ökologische oder medizinische Indikation, die dortigen Wasservögel zu töten.

 

  • Sofern seitens des Centro-Managements wirtschaftliche Schäden geltend gemacht wurden, um eine Ausnahmegenehmigung zur Jagd auf die lokale Wasservogelpopulation zu erwirken, so wären diese nicht nur klar zu benennen, sondern es hätten zunächst nichtletale Maßnahmen zur Schadenabwehr ergriffen werden müssen. Im Fall etwa landwirtschaftlicher Schäden sieht das EU-Recht explizit die Ergreifung letaler Maßnahmen erst dann als gerechtfertigt an, nachdem nichtletale Maßnahmen versagen.

 

Generell wäre die Frage zu stellen, sofern das Centro-Management tatsächlich Probleme im Kontext der Parkvögel festgestellt zu haben vermeinte, warum nicht entsprechend fachlich qualifizierte Experten in der Sache um Rat gefragt wurden? Jäger sind weder Biologen noch Vogelkundler, sondern verstehen sich primär (bzw. buchstäblich) auf das Totschießen.  Ornithologen und Biologen fordern nunmehr seit Jahren unter Hinweis auf die z.T. dramatischen ökologischen "Nebenwirkungen", wie u.a. Verwechslungsgefahr geschützter/geschonter Arten, Störwirkung auf die gesamte lokale (Avi-)Fauna im Jagdgebiet, verletzen ("anbleien") von Vögeln durch Schrotschüsse in Vogelpulks (hierdurch Eintrag von giftigem Blei in die Nahrungskette, Stichwort "Seeadlersterben") usw. usf. die generelle Einstellung der Wasservogeljagd. Eine Minderheit schießfreudiger Hobbyisten jedoch lässt sich von wissenschaftlich fundierten Fakten nicht beirren - und schießt weiter, was die Munitionskisten hergeben.
 
Sowohl dem Centro-Management als auch dem mit der Tötung der Parkvögel beauftragten Jagdpächter - die zu dieser Aktion erforderliche Ausnahmegenehmigung setzt beiderseiten Vorsatz voraus (nicht, dass womöglich noch die Legende einer "normalen" bzw. "selbstverständlichen" Jagd geglaubt wird..) - muss m.E. zumindest im Ansatz klar gewesen sein, dass einem solchen Vorgehen auf Seiten der Bevölkerung kaum Verständnis entgegengebracht wird. Ansonsten wäre die gleiche Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit zu erwarten gewesen, wie sie zum Zwecke positiver PR "Herrn Entro" in 2012 zuteil wurde.

Ich bin überzeugt, dass die Oberhausener Bevölkerung an Hand der Vorkommnisse sehr genau zu bewerten weiß, was unter Anlegung ethischer Maßstäbe vom Management eines Einkaufszentrums zu halten ist, welches die Tötung ausgerechnet des in 2012 medienwirksam nominierten, eigenen Maskottchens nur ein Jahr später, wenn auch nicht explizit anordnet, so doch ganz offensichtlich billigend in Kauf nimmt.

 
Werner Hupperich

PS: Warum übrigens nicht einfach für Toleranz werben?: Toleranz_kostet_nichts.jpg


Ergänzende Literatur / Dokumente (PDF):

Presse:

Jäger im Centro? Sorge um verschwundene Gans Johny

Tierschützer beklagen überflüssige Vogeljagd am Centro Oberhausen

„Wir Jäger sind auch Naturschützer“