Distanzierung von TU-Gänseprojekt

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P R E S S E M I T T E I L U N G

 

Umwelt- und Tierschutzverbände distanzieren sich von Gänseprojekt der TU München

Nur lebende Gänse sind Sympathieträger

Gerne wirbt die Stadt München in ihren Werbebroschüren mit freundlichen Graugänsen. Die Sympathieträger watscheln vor dem Olympiaturm, vor Schloss Nymphenburg oder in städtischen Parkanlagen. Und wenn demnächst wieder frisch geschlüpfte Gänseküken, die sogenannten Gössel, mit ihren Eltern zu sehen sind, werden die possierlichen Tiere wie jedes Jahr  Einheimische und Touristen, Alt und Jung erfreuen und entzücken.

Im Rahmen eines Projektes an der TU München soll es den Gänsen aber voraussichtlich an den Kragen gehen. Schon 2008 verhinderte nur der massive Druck von Umwelt- und Tierschutzverbänden sowie aus der Öffentlichkeit, dass während des Gefiederwechsels flugunfähige Tiere in Mün-chen gefangen und getötet wurden. Nun haben der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz in München, die Ornithologische Gesellschaft in Bayern und der Landesverband Bayern im Deutschen Tierschutzbund ihre Teilnahme an Gesprächsrunden zu dem TU Projekt wegen unüberbrückbarer Differenzen aufgekündigt. Obwohl das TU Projekt vorgibt, einen breiten gesell-schaftlichen Konsens anzustreben, sahen die Verbände keine Möglichkeit mehr, Fachwissen einfließen zu lassen. Insbesondere befürchten die Verbände, dass ausgehend von München weitere, bisher verbotene Jagdmethoden für Gänse erlaubt werden sollen. Während bei der TU die Diskussion um Möglichkeiten der Gänsejagd breiten Raum einnahm, spielten Fragen zur Gestaltung der Gänselebensräume oder eines Ruhezonenkonzeptes keine Rolle.

„Hier geht es nicht um das Erforschen der Graugänse. Wir befürchten, dass dieses Projekt nur die Akzeptanz für den rechtlich fragwürdigen Mauserfang mit anschließender Schlachtung erhöhen oder eine bayernweite Ausweitung der Jagd vorbereiten will“ erläutert Manfred Siering, Vorsitzender der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern.

Anders als beispielsweise Enten sind Gänse äußerst soziale Tiere, die in dauerhafter Einehe leben. Jungtiere werden von ihren Eltern mindestens ein Jahr lang betreut und sammeln in dieser Zeit le-benswichtige Erfahrungen, z.B. auf dem Zug zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet. Der Familien- und Gruppenzusammenhalt ist stark ausgeprägt, wie bereits der Nobelpreisträger Konrad Lorenz bewiesen hat. Werden aus diesem Verbund Tiere getötet, so gerät die ganze Sozialstruktur aus den Fugen. Dies widerspricht den Vorgaben der Naturschutz- und Tierschutzgesetze.

Um sich ein differenzierteres Bild über die Graugänse in München zu verschaffen, hat der Bund Naturschutz (BN) ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse daraus wird der BN  veröffentlichen.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Manfred Siering, Tel. 089 / 625 33 59