Im Zusammenhang mit der auf durch von Ausnahmegenehmigungen "legitimierten" jagd auf Kanadagänse zwischen August und Oktober 2009 in NRW verlautet sowohl aus Jägerkreisen als auch u.a. seitens der Unteren Jagdbehörde, Junggänse seien leicht an Hand ihres Gefieders von Altvögeln unterscheidbar.
Die Aussage einer Unterscheidbarkeit an Hand des Gefieders trifft in so weit zu, als dass nicht flügge Junggänse tatsächlich auf den ersten Blick an Hand ihres Jugendgefieders zu erkennen sind. Mit der Unterscheidbarkeit auf den ersten Blick ist es allerdings zumeist nach etwa 60 Tagen vorbei.
Das Alter einer Gans möglichst präzise feststellen zu können, ist insbesondere in der Verhaltensforschung und Ökologie von großer Wichtigkeit. So lassen sich etwa Familienverbände lokalisieren und gegebenenfalls für über längere Zeiträume vorgesehene Untersuchungen kennzeichnen. Unter Bedingungen, wie sie in sorgfältig vorbereiteten und durchgeführten wissenschaftlichen Projekten herrschen, gestaltet es sich nicht sonderlich schwierig zumindest den diesjährigen Nachwuchs von adulten Gänsen zu unterscheiden. Eine einigermaßen exakte Altersbestimmung mehrjähriger Gänse gestaltet sich allerdings bereits äußerst schwierig und ist nur erfahrenen Vogelkundlern bei gefangenen Gänsen möglich.
Eine Unterscheidbarkeit unter den Bedingungen einer Jagd ist entgegen anders lautender Behauptungen U N M Ö G L I C H.
Wegen der großen Beliebtheit unseres „Jägerquiz“ so wie unserer Hinweise auf die Verwechslungsgefahr von geschützten bzw. geschonten Arten bei der Gänsejagd, möchte ich unseren Lesern hier erneut die Gelegenheit bieten, sich am Beispiel zweier Fotos ein eigenes Urteil zu bilden.
Wobei diese Fotos unter geradezu idealen Bedingungen aufgenommen wurden (klare Sicht, gute Lichtverhältnisse, die Gänse befinden sich am Boden..), welche während der Jagd schlichtweg nicht zu erwarten sind (Dunst, Gegenlicht, sehr kurzes Zeitfenster für den Schützen zwischen Wahrnehmung der fliegenden Gänse und Schussabgabe..).
Welches der beiden Aufnahmen zeigt im Vordergrund die Junggans und welches zeigt im Vordergrund eine ausgewachsene Gans?

Die Auflösung folgt weiter unten.
Auflösung: Foto A zeigt eine ausgewachsene Kanadagans, Foto B zeigt eine ca. acht Wochen alte Junggans.
Folgende Unterscheidungsmerkmale können Sie auf den beiden Fotos erkennen:
- Das Gefieder der Junggänse weist insgesamt verwaschen wirkende Konturen auf, achten Sie dabei insbesondere auf die nur undeutlich erkennbaren Ränder des Rückengefieders.
- Beim Jungvogel sind die Federspitzen gerundet, wogegen diese beim ausgewachsenen Vogel eher kantig wirken. Dadurch entsteht bei der adulten Gans ein deutliches Strichmuster, deren Linien vom Rückengefieder in die Bauchzeichnung verlaufen.
- Beim Jungvogel hebt sich der schwarze Halsansatz nicht so deutlich ab, wie es beim Altvogel der Fall ist. Am Übergang mischt sich das Schwarz mit der Farbe des Brustgefieders, wogegen die Alttiere einen deutlich abgegrenzten, schwarzen Ansatz (wie im untereren Foto erkennbar) mit sehr klarem Rand aufweisen. Der bereits erwähnte „Mischbereich“ welcher zum Brustgefieder hin verblasst, fehlt ganz. Dieser kann aber – worauf der Vollständigkeit halber hingewiesen sein soll – bei einigen dunkler gefärbten Unterarten der Kanadagans auch bei ausgewachsenen Tieren auftreten.
Fazit: Wieder einmal stellte sich das seitens der Jägerschaft vorgetragene "Fachwissen" als dummes Zeug heraus. Der in schöner Regelmäßigkeit wieder besseren Wissens behauptete Unfug einer klaren Zielansprache i. S. von unter den Bedingungen einer Jagd eindeutig bestimmbarer Individuen findet am aktuellen Beispiel der "Altersselektion von Kanadagänsenen" ein neuerliches Highligt. Wenngleich auch ein faktisch sehr trauriges. Neben der Tragödie buchstäblich zerschossenener Familienverbände sollte uns allen allein der Gedanke in größte Sorge versetzen, dass sich ganz offenbar mit Schusswaffen ausgestattete ökologische Analphabeten im Trachtenlook ungehindert durch die Natur bewegen - und in grenzenloser Arroganz, gepaart mit einer gehörigen Portion Rücksichtslosigkeit, höchst willkürlich auf Lebewesen schießen. Als Krönung der Selbstgefälligkeit besitzen diese Leute dann obendrein die Frechheit, ihr Tun der staunenden Öffentlichkeit als angewandten Naturschutz verkaufen zu wollen.
Werner Hupperich





