Petition gegen Wolfsabschuss in der Müritz-Region

Aufmerksame Leser unserer Internetseiten werden sicherlich bereits festgestellt haben, dass die „Gänsewacht“ ebenso gut zum Beispiel „Rabenvogelvogelwacht“ oder „Kormoranwacht“ heißen könnte. Kurz: Die durch die Freizeitbeschäftigung „Jagd“ verursachten ökologischen Schäden so wie der damit verbundene, anthropozentrisch-verkürzte Standpunkt, es ließen sich Konflikte zwischen Mensch und wildlebenden Tieren gewaltsam - mit der Jagdwaffe - lösen, beschränkt sich nun einmal keineswegs auf die Gänsejagd.

Aus diesem Grund möchte ich aus aktuellem Anlass Ihre Aufmerksamkeit auf eine Petition gegen den Anschuss eines Wolfes in der Müritz-Region lenken. Der Landesbauernverband sowie eine CDU Landtagsabgeordnete fordern eine Freigabe der Jagd auf Wölfe. Anlass hierfür ist eine Wolfsattacke auf eine Schafherde. Die Position der „Gänsewacht“ ist hierbei schnell dargelegt. Der Schutz seiner Tiere obliegt dem Schafhalter. Dies war auch zu Zeiten der Fall, als Wölfe - vor ihrer Ausrottung - noch heimisch waren. Die Schutzmaßnahmen können einerseits in einer geeigneten Umzäunung der Schafhaltung stehen, im Fall kleinerer Herden wird ferner heute leider auf gut ausgebildete Hütehunde verzichtet, welche ebenfalls einen Beitrag zur Verhinderung von Wolfsattacken zu leisten vermögen.

Der Konflikt zwischen Schafhaltern und Naturschutz erweist sich auch in diesem Fall wieder einmal als primär ökonomischer Konflikt. Auch hier ist von „Entschädigungszahlungen“ die Rede und von „wirtschaftlichen Verlusten“. Die Position der Gänsewacht ist hierbei, dass eine (hier: landwirtschaftliche) Produktion, welche im Freiland und innerhalb der Natur stattfindet, gefälligst auch mit der Präsenz natürlicher Faktoren zu rechnen hat. Neben witterungsbedingten Faktoren kann sich natürlich auch die Fauna negativ auf die Geschäftsbilanzen auswirken. Sowohl Gänse als auch Krähen, die an der landwirtschaftlichen Ertrag „knabbern“ kommen, ebenso wie Kormorane im Fall der Fischwirtschaft und eben neuerdings auch Wölfe im Fall der Schafhaltung natürlicherweise vor. Ihrem Vorkommen ist daher gegebenenfalls in der betriebswirtschaftlichen Kalkulation Rechnung zu tragen. Die Verantwortung, sowohl ökologisch als auch ethisch vertretbare Schutzmaßnahmen zu ergreifen, obliegt hierbei - wie in jeder anderen Branche des produzierenden Gewerbes auch - allein dem Unternehmer.

„Ausgleichszahlungen“, etwa für im Rahmen von Wiederansiedlungsprojekten erlittene wirtschaftliche Verluste wären diskutabel, sollten aber nach unserer Ansicht erstens keinesfalls die betroffenen Landwirte von ihrer unternehmerischen Verantwortung, den lokalen Produktionsbedingungen Rechnung zu tragen, entbinden. Anders gesagt: Wer natürlicherweise vorkommenden, wildlebenden Tieren einen gedeckten Tisch bereitet, ohne diesen entsprechend zu sichern, der darf sich kaum wundern, wenn sich ungebetene Gäste einfinden. Zweitens sind „Entschädigungszahlungen“ unserer Ansicht nach zwingend an einer unabhängigen gutachterlichen Feststellung der Schadensursache und des Schadensausmaßes zu koppeln, um missbräuchliche Bereicherung auszuschließen. Im Bereich „Gänseschäden“ war im vergangenen Winter z.B. auffällig, dass einige Landwirte versuchten, eindeutige Frostschäden zu „Gänseschäden“ umzudeklarieren. Im Falle vermeintlich von Wölfen gerissener Schafherden wäre hierbei also zunächst eindeutig zu klären, ob die Attacke tatsächlich von Wölfen oder „wildernden“ Hunden verursacht wurden. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass das Ausmaß von wildernden Hunden gerissener Schafe überhaupt erst durch die „Wolfsdebatte“ bekannt wurde und öffentliche Beachtung fand. Auch hierbei sehen wir jedoch in undifferenzierten, waidmännischen „Vernichtungsfeldzügen“ verwilderter Hunde keine tragfähige Lösung. Hier wäre der Gesetzgeber gefordert, sowohl Hundehalter als auch „Hundevermehrer“ in die Verantwortung zu nehmen und im Rahmen restriktiver Verursacherhaftung in die Pflicht zu nehmen. Der Verbleib von potenziell in der Natur schädlichen Haustieren so wie auch deren Nachkommen bedarf einer funktionierenden Überwachung. Dies wäre nicht zuletzt im Sinne der Tiere selbst und würde mittelfristig zumindest dieses Problem zu entschärfen vermögen. Allerdings soll hierbei ebenfalls nicht verschwiegen werden, dass die unkontrollierte Zucht von Hunden und Katzen auch für manch Landwirt als profitabler Nebenerwerb entdeckt wurde. Die Lektüre entsprechender Kleinanzeigen bringt hier mitunter Erstaunliches zutage. In welchem Ausmaß hierbei verwilderte Hunde und Katzen „freigesetzt“ werden, wäre zumindest eine Untersuchung wert.

Doch zurück zum Thema „Wolfsabschuss“: Die Petition richtet sich konkret gegen den in der Region Müritz geplanten Abschuss, was unserer Ansicht nach einerseits zu kurz greift. Andererseits ist es natürlich besser, sich in einer konkreten, lokalen Sache zu Wort zu melden, als gar nicht. Unten finden Sie den Petitionstext so den Link zur Petition.

Ich danke für Ihre Unterstützung!

Werner Hupperich

Petitionstext:

Wir fordern: Keinen Abschuss der Wölfe in der Müritz-Region!

Von: Jennifer Wölk aus Bocholt

An:   CDU Landesverband Mecklenburg-Vorpommern in Mecklenburg-Vorpommern    Keine Stellungnahme

In der Müritz-Region soll ein Wolf mehrere Schafe gerissen haben. Weil der "Schutz von Nutztieren" Vorrang habe, will die CDU die seltenen Tiere zum Abschuss freigeben.

Begründung: Die Begründung, dass der Abschuss "zum Schutz von Nutztieren" stattfinden soll, ist eine traurige Aussage - führt man sich mal vor Augen, dass doch der Mensch selbst es ist, der die größte Gefahr für Nutztiere darstellt.

Seit 1998 gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Die Reaktionen auf die Rückkehr der Wölfe waren überwiegend positiv; selbst Politiker sprachen davon, dass es wichtig sei, dies zu fördern.
Die Wölfe nun zum Abschuss freizugeben ist nicht die Lösung!

Wir fordern den Schutz der Wölfe!
 

>>Link zur Petition